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Kuhstraße - Schuster-Werkstatt und Ackerbürger

Wer durch die Blomberger Kuhstraße wandelt, dürfte sich an manchen Stellen in ein anderes Jahrhundert zurückversetzt fühlen.

Zwischen Langem Steinweg, von dem aus man kurz nach der Fahrt oder dem Gang durchs Niederntor nach rechts in die Kuhstraße einbiegen kann, und Kurzem Steinweg befinden sich rechts und links der mit Kopfstein gepflasterten Straße nach wie vor zahlreiche Fachwerkhäuser aller Größenordnungen.

Folgerichtig befindet sich auch an der Kuhstraße eines der Blomberger »Geschichtszeichen«, das besondere Orte, Straßen und Gebäude in der Nelkenstadt kenntlich macht. Die durch Dr. Heinrich Stiewe für das hiesige »Geschichtszeichen« gewählte Überschrift »Ackerleute und Schuhmacher: Landwirtschaft und Handwerk« sagt schon vieles über die ursprüngliche und frühere Bedeutung der Kuhstraße aus. »Die Kuhstraße ist eine typische Ackerbürger-Straße.

Die Kuhstraße war früher eine der wichtigsten Nebenstraßen Blombergs. Foto: Theiß

Sieht man sie, liegt der Verdacht nahe, dass man sich irgendwo in einem Dorf auf dem Land befindet«, hält Stadtarchivar Dieter Zoremba fest.

Viele der dort ansässigen Menschen hielten sich unter anderem Pferde und Kühe. Dementsprechend gab es auch einen Kuhhirten. »Grob gesagt: Die Leute stellten ihre Kühe morgens auf die Straße, wo sie von einem Kuhhirten abgeholt und vor die Stadt auf die Weide gebracht wurden. Daher kommt auch der Name Kuhstraße«, meint Zoremba.

Dementsprechend, also im Sommer staubig, bei Regen matschig, dürfte es auf der ungepflasterten Straße auch ausgesehen haben. Die hatte anfangs übrigens keine Verbindung zum unteren Langen Steinweg. Der heutige Zugang war bebaut und hieß deshalb »Im Sacke«. Die sogenannten Ackerbürger, die dort lebten, hielten aber nicht nur ihr eigenes Vieh und beschäftigten sich mit ihrer eigenen Landwirtschaft, sondern betrieben auch Lohnarbeit für andere. »Beispielsweise bestellten sie deren Felder«, sagt Dieter Zoremba, um fortzufahren: »Der eine bestellte für den anderen das Feld, der wiederum die Schuhe reparierte  - und der jeweilige Lohn wurde oft verrechnet.«

Erstmals erwähnt wurde die Kuhstraße, eine wichtige Blomberger Nebenstraße, 1299 als »platea vaccarum«. Wie auch an anderen Orten der kleinen Nelkenstadt gab es hier eine Koexistenz der beschriebenen Ackerbürger und von Handwerkern.

Das historische Gebäude, das einst von einem Schuhmacher erbaut wurde, beherbergt heute die Stadtbücherei und eine Dauerausstellung zum Schusterhandwerk in Blomberg. Foto: Theiß

Wie Dr. Heinrich Stiewe herausgefunden hat, lebten 1776 insgesamt 14 Schuhmacher an der Kuhstraße.

Das Schuhmacherhandwerk war das stärkste in Blomberg - und folgerichtig findet deshalb seit Monaten unter dem Motto »Zeig‘ her deine Schuh« in der Blomberger Stadtbücherei eine historische Dauerausstellung mit einer eigens vor Ort eingerichteten Werkstatt zum Schuhmacherhandwerk in Blomberg statt.

Das Fachwerkhaus an der Kuhstraße 16 bietet sich dafür an, da es um 1763 von dem wohlhabenden Schuhmachermeister und Ratsherrn Johann Cord Holste erbaut und anschließend von Schuhmachern und Lohgerbern bewohnt wurde. Und auch die sich mittlerweile vor dem Gebäude befindlichen Skulpturen dreier Schustergesellen erinnern an die Tatsache, dass das Schuster-Handwerk in Blomberg eine lange Tradition hat.

Text: Rouven Theiß