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Burg Blomberg: Reich verzierter ehemaliger Edelherren-Sitz

Inschriften an Häusern und Gebäuden und die Stadt Blomberg - diese Kombination gehört irgendwie zusammen. Beim Gang durch die Gassen befinden sich Symbole und Verzierungen an nahezu jedem historischen Bau. Logisch also, dass auch die Burg als einstiger Sitz der lippischen Edelherren umfassend verziert ist.

Betritt man den Innenhof der Burg, fällt am Hauptbau vor allen Dingen der steinerne Erker in der Nähe des Eingangs zum heutigen Burghotel auf. »Diese Utlucht, also ein vorspringender Steinbau, wurde 1569 vom Lemgoer Baumeister Hermann Wulff geschaffen und ist ein wesentliches Element der Weserrenaissance. Wulff war unter anderem auch am Bau von Schloss Brake und des Lemgoer Hexenbürgermeisterhauses beteiligt«, weiß Blombergs Stadtarchivar Dieter Zoremba. Der Erker besteht aus weißem Sandstein, das Meisterzeichen sowie die Initialen Wulffs sind neben dem Erbauungsjahr über dem mittleren Rundbogenfenster des Untergeschosses zu sehen.

Links vom Haupteingang befindet sich eine Utlucht. Foto: Theiß

Darüber befinden sich zentral das Wappen Simons VI. mit der Inschrift »Von Godes Gnaden Simon Graf und Edel Herr zur Lippe« und die Büsten einer Frau und eines Mannes. Erwähnenswert sind auch die zahlreichen Radschnitzmuster und Zierschnitzereien Barthold Sanders.

Links von der Utlucht ist auch die zweite Darstellung des sogenannten Luderziehens in Blomberg - neben der Burg gibt es sie auch am Doktorhaus - erkennbar. »Bei diesem mittelalterlichen Spiel, das auch Strebkatzenspiel genannt wird, mussten zwei, mit einem Seil um den Hals verbundene Männer versuchen, den jeweils anderen auf die eigene Seite oder gar über ein Feuer zu ziehen. Es gibt allerdings auch die Interpretation, dass auf diese Weise Kämpfe zur Erzielung eines Gottesurteiles ausgeführt wurden«, unterstreicht Zoremba.

Am Hauptbau gibt es zahlreiche Radschnitzmuster und Zierschnitzereien. Foto: Theiß
Am Hauptbau gibt es zahlreiche Radschnitzmuster und Zierschnitzereien. Foto: Theiß
Am Hauptbau sieht man auch eine Darstellung des Luderziehens. Foto: Theiß
 

Rechtsseitig, am dortigen Steinbau, werden über einer zugemauerten Türe Josua und Caleb mit einer Weintraube gezeigt. »Wahrscheinlich befand sich dort der Zugang zum Weinkeller«, vermutet Dieter Zoremba.

Äußerst sehenswert ist auch die Außenseite des Ostbaus, die in Richtung Brinkstraße zeigt. »Auch hier sind die Verzierungen ganz typisch für die Weserrenaissance«, so Zoremba. Zwischen den ganzen Ranken und Radschnitzmustern der nahezu 19 Meter hohen Giebelseite findet man bei ganz genauem Hinschauen unter anderem einen Kopf mit Kappe. Vielleicht handelt es sich dabei um den damaligen Baumeister.

Über dem früheren möglichen Zugang zum Weinkeller sind Josua und Caleb mit einer Weintraube abgebildet. Foto: Theiß
Der Ostbau ist geprägt von vielen Verzierungen, die typisch sind für die Weserrenaissance. Foto: Theiß
Der Ostbau ist geprägt von vielen Verzierungen, die typisch sind für die Weserrenaissance. Foto: Theiß

Angelegt wurde die Burg wohl in der Zeit der Gründung der Stadt um 1250. Sitz der lippischen Landesherren blieb sie trotz der Zerstörungen in der Soester Fehde 1447 noch bis ins frühe 16. Jahrhundert. »Nach dieser Zeit hat Blomberg zunächst an Bedeutung verloren«, erklärt Dieter Zoremba.

Mehr als 100 Jahre später, ab 1567, ließ Graf Simon VI. das Gebäude in seiner heutigen Form ausbauen. 1748 gelangte die Burg in den Besitz der Fürsten zu Schaumburg-Lippe, konnte erst 1962 zurückerworben werden und ist heute ein Hotel.

Text: Rouven Theiß