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Klosterkirche mit bedeutender Grabtumba

Die Klosterkirche gehört zu den bekanntesten Gebäuden Blombergs. Viel spannender als das Äußere ist allerdings ihr Innenleben.

Interessant ist hier, dass der Kirchenraum mit seiner Hallenraum-Architektur eher den Charakter einer Pfarrkirche denn einer Klosterkirche hat. Das aber aus gutem Grund: Hauptsächlich war beim Bau die Nutzung als Wallfahrtskirche vorgesehen, was bedeutet, dass möglichst viele Menschen darin Platz finden sollten.

In der Klosterkirche befinden sich zahlreiche Inschriften und Symbole. Foto: Theiß
In der Klosterkirche befinden sich zahlreiche Inschriften und Symbole. Foto: Theiß

Den Innenraum dominieren vier Rundpfeiler. Die jeweiligen Kreuzungspunkte der Kreuzrippengewölbe zieren figürlich gestaltete Schlusssteine. Im Chor ist in diesem Zusammenhang das Lamm Gottes (Agnus Dei) zu sehen, im Langhaus sind es im Wechsel das Kreuz der Augustiner Chorherren, das Schaumburger Nesselblatt und die Lippische Rose. Besonders ist auch das Kapitell der westlichen Halbsäule der Nordwand, auf dem drei Köpfe zu sehen sind, aus deren Mündern und Ohren Laubranken wachsen. Die genaue Bedeutung ist allerdings unklar.

Die Fenster der Klosterkirche stammen aus der Anfangszeit des 20. Jahrhunderts. Foto: Theiß
Die hölzerne Barockkanzel stammt aus dem Jahre 1704. Foto: Theiß

Interessant sind auch die kürzlich freigelegten Wandmalereien. Insgesamt acht Schichten lassen sich so nachvollziehen, die teilweise bis in die Entstehungszeit zurückreichen und die überlieferte Bezeichnung »bunte Kirche« unterstreichen. An der Südseite des Chores ist die hölzerne Barockkanzel zu sehen, die aus dem Jahre 1704 stammt und von Jobst Rentorff aus Donop geschaffen wurde. Gestiftet haben sie Graf Friedrich Adolph zur Lippe samt Gemahlin Amalia von Solms-Hohensolms, was aus Wappen und Inschrift hervorgeht.

Die kürzlich freigelegten Wandmalereien reichen teilweise bis in die Entstehungszeit der Kirche zurück. Foto: Theiß
Die verschiedenen Symbole sind auch heute noch gut zu erkennen. Foto: Theiß

Im Chor befinden sich zudem weitere Relikte aus der abgebrochenen Stadtkirche St. Martin: Zum einen der Taufstein von 1574, zum anderen die Grabplatten des ehemaligen Pastors Abraham Theopold (gestorben 1657) und seiner Gemahlin Elisabeth Stapperfenne sowie die des Amtmannes Anthon Günther Kopf (gestorben 1707) und seiner Ehefrau Elisabeth Theopold, Enkelin des Abraham Theopold.

Der Taufstein stand früher in der Stadtkirche St. Martin. Foto: Theiß
Die verschiedenen Symbole sind auch heute noch gut zu erkennen. Foto: Theiß

Außerdem vorhanden und absolut besonders: die Tumba des Klostergründers Bernhard VII. und seiner Gemahlin Anna von Holstein-Schaumburg. »Die vom Münsteraner »Beldensnider« Heinrich Brabander geschaffene Grabtumba ist ein bedeutendes Zeugnis westfälischer Bildhauerkunst. Im Jahre 1838 wurde sie von Ernst von Bandel, dem späteren Erbauer des Hermannsdenkmals, restauriert«, so Stadtarchivar Dieter Zoremba. Die Grabplatte zeigt die lebensgroßen Figuren der Verstorbenen, die mit geöffneten Augen und betenden Händen nebeneinander liegen. An den Füßen kann man Schilde tragende Löwenkonsolen erkennen. Bernhard trägt Rüstung und Schwert, die Haare sind schulterlang, er ist - genauso wie seine Frau - alterslos dargestellt. Die Grabplatte wird von einer umlaufenden Inschrift gesäumt, die übersetzt bedeutet: »Im Jahre des Herren 1511 starb der Edelherr Bernhard zur Lippe, Gründer dieses Klosters und sein größter Förderer bis an sein Lebensende, dessen Seele in Frieden ruhen möge. Amen. Im Jahre des Herren 1495 starb die Edelfrau Anna zur Lippe und Gräfin von Holstein und Schauenburg am Tage nach St. Mauritius. Sie wurde hier begraben, ihre Seele möge in Frieden ruhen, Amen.« In die Inschrift impliziert sind insgesamt 16 Wappen, die für die Ahnenreihe Bernhards stehen. Darüber hinaus finden sich Wappen im Kopf- und Fußbereich, die die Wappen der Verstorbenen, also die Lippische Rose und das Schaumburger Nesselblatt, zeigen. An den Längsseiten des Unterbaus gibt es je sieben Nischen, in die kleine Statuen gestellt werden konnten, an den Schmalseiten figürliche Darstellungen. Dabei handelt es sich einerseits um eine Ansicht der Klosterkirche, andererseits um ein Andachtsbild der Stifter samt Patronen in Anbetung des Schmerzensmannes. Früher stand das Grabmal übrigens zentral im Langhaus.

Die Grabtumba ist ein bedeutendes Zeugnis westfälischer Bildhauerkunst. Foto: Theiß
Die Grabtumba ist ein bedeutendes Zeugnis westfälischer Bildhauerkunst. Foto: Theiß

Neben Bernhard VII. und Anna wurden noch weitere Grafen in der Klosterkirche bestattet. Hierfür gibt es eine Gruft unterhalb der Kirche. Erhalten sind dort 22 Zinn- und Holzsärge aus der Zeit von 1584 bis 1769. Die heutigen Fenster der Kirche stammen übrigens aus der Anfangszeit des 20. Jahrhunderts und wurden vom Blomberger Magistrat sowie Fürst Leopold IV. zur Lippe samt Frau sowie Fürst Georg zu Schaumburg-Lippe samt Frau jeweils 1911 gestiftet.

Text: Rouven Theiß