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»Scharfrichter« überzeugt mit Zierschnitzereien

Jeder Blomberger kennt das Gebäude an der Neuen Torstraße 26. Das nicht wegen seiner Bausubstanz oder sehenswerten Inschriften und Symbolen, dafür aber aufgrund seiner früheren Nutzung. Unter dem Namen »Zum Scharfrichter« war an dieser Stelle nämlich viele Jahre lang eine absolute Kult-Gaststätte zu finden. Die ist nun bereits schon geraume Zeit Geschichte. Nach wie vor erfreut sich der Bau bei Touristen aber großer Beliebtheit und ist ein begehrtes Foto-Motiv, was ganz klar am äußeren Erscheinungsbild liegt.

Der »Scharfrichter« glänzt durch sein äußeres Erscheinungsbild. Foto: Theiß

Der Bau, ein sogenannter Vierständer-Bau, ist nämlich reich beschnitzt. »Das Gebäude zählt sicherlich zu den historisch bedeutendsten und beeindruckendsten der ganzen Stadt Blomberg«, sagt Stadtarchivar Dieter Zoremba. Das Haus mit seinem dreistöckigen Giebel wurde bereits im Jahre 1677 errichtet. Erbauer: Jürgen Struck und seine Ehefrau Anna Margarete Brökers. Struck entstammte einer Lemgoer Scharfrichter-Familie, seine Frau war die Tochter des Scharfrichters aus Lügde. Daher stammt wohl auch der Name der späteren Gaststätte. Allerdings war Struck in der Nelkenstadt lediglich als Abdeckermeister oder Wasemeister tätig, wobei er in den Kirchenbüchern als Scharfrichter geführt wurde.

Im Bereich oberhalb der Eingangstüre sind unter anderem die Daten zum Erbauer zu sehen. Foto: Theiß
Die goldene Schrift auf rotem Untergrund ist ein Hingucker. Foto: Theiß

»Früher war es oft üblich, dass die Scharfrichter – und Jürgen Struck kam ja aus einer Scharfrichter-Familie – durch den Landesherren zusätzlich noch mit dem Privileg der Abdeckerei bedacht wurden. Das hatte den einfachen Grund, dass ein Scharfrichter nicht allein  von seiner Scharfrichter-Tätigkeit leben konnte. Die Aufgabe des Abdeckers war die Verwertung beziehungsweise kontrollierte Entsorgung verendeten Viehs. Die Besitzer der verendeten, gefallenen Tiere hatten dem Abdecker für seine Tätigkeit eine Gebühr zu entrichten. Je größer das vom Landesherrn zugewiesene Gebiet war, in dem der Abdecker allein das Privileg zur Entsorgung gefallenen Viehs hatte, umso mehr Geld konnte er natürlich verdienen«, weiß Dieter Zoremba.

Am Gebäude sind verschiedene biblische Sprüche verewigt. Foto: Theiß
Am Haus sind auch zahlreiche Verzierungen angebracht. Foto: Theiß

Auffällig sind vor allem die rote Farbe (Zoremba: »Die Farbgebung hat sich im Laufe der Jahrhunderte immer wieder geändert.«) und die vielen geschnitzten Bibel-Verse. Die lauten: »Wo de Herr nicht das Haus bawet so arbeiten umbsonst die daran bawen. Wo der Her nicht die Stad behutet so wachet der Wechter umbsonst. Es ist umbsonst das ihr frue aufstehet und hernach lange sizet und esset ewer Brot mit Sorgen den seinen Freunden gibt ers schlaffend.« und »Ich lase den Heren Got walten der so lange hadt Haus gehalten dan er ist gar ein reicher Godt. Jah mer er gibt ja mehr er hadt zu den alle meine Hoffenunge stet. Pax intrantibus. Salus exuntibus.«. Oberhalb des Torbogens befinden sich neben der heutigen Hausnummer auch die bereits erwähnten Daten zum Erbauer-Ehepaar sowie die Jahreszahl 1677. Im Giebel sind besonders die vielen Schwellen und Füllbretter erwähnenswert, die mit Akanthus und Rankenmustern versehen sind. Darüber hinaus sind auf den Torständern Blumenvasen zu sehen. Dazu kommen die Initialen M, J, S und A, M, B, verschiedene Zierschilde und drachenförmige Ziermuster.

Am Gebäude sind verschiedene biblische Sprüche verewigt. Foto: Theiß
Im Giebel erkennt man die Lippische Rose. Foto: Theiß

Text: Rouven Theiß