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Juden in Blomberg

Schicksal der Familie Königheim und von Emma Lipper

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts lebte die Familie Königheim in Blomberg - und gehörte hier seit Ende des 19. Jahrhunderts zur gesellschaftlichen Oberschicht. Gustav Königheim war, wie bereits erwähnt, Mitglied in Feuerwehr und Schützenbataillon. Auch zog er als Soldat in den Ersten Weltkrieg - wie übrigens viele seiner patriotischen Glaubensbrüder -, erhielt zahlreiche Auszeichnungen wie das Eiserne Kreuz oder das Ehrenkreuz für Frontkämpfer und verlor in Frankreich seinen Bruder Julius, der 1918 fiel.

Das ist heutzutage noch der Inschrift eines Kriegerdenkmals auf dem alten Friedhof an der Heutorstraße zu entnehmen. Die Königheims waren geschäftlich erfolgreich mit Schlachterei und Viehhandel.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 änderten sich die Lebensbedingungen der Juden aber radikal. Zu diesem Zeitpunkt waren nur noch die Familie Königheim und Emma Lipper in Blomberg ansässig. Ende Juli 1933 tauchten nachts plötzlich SA- und SS-Männer vor dem Haus Gustav Königheims auf. »Der rief daraufhin den hiesigen Wachtmeister an. Anstatt ihm zu helfen, nahm der ihn aber bis zum nächsten Tag fest«, unterstreicht Stadtarchivar Zoremba das damals herrschende Unrecht.

Die Königheims wurden in der Folgezeit immer mehr gemieden, mussten ihr Geschäft 1934 schließlich aufgeben und zogen an die Kuhstraße. Im August 1935 sorgte der damalige Bürgermeister mit verschiedenen Anweisungen für die weitere Ausgrenzung und es wurde eine Tafel mit der Aufschrift »Juden sind hier unerwünscht« am Niederntor angebracht.

Veranlasst durch den ständig wachsenden Antisemitismus wanderte die Familie 1937 nach Argentinien aus. Emma Lipper war nun die einzige Jüdin in Blomberg, bis sie 1940 in ein jüdisches Altersheim nach Unna eingewiesen und von dort aus zwei Jahre später nach Theresienstadt deportiert und anschließend mit einem Todestransport nach Minsk geschickt wurde. Nachfahren von Gustav Königheim wohnen noch heute in Israel und Argentinien.

Die Familie Königheim 1933 vor ihrem Wohnhaus. Foto: Stadtarchiv
Gustav Königheim, hier 1917, diente als Soldat im Ersten Weltkrieg. Foto: Stadtarchiv

Jüdische Relikte in der Nelkenstadt

Die einzigen Relikte aus der jüdischen Vergangenheit Blombergs sind der Friedhof an der Reinickendorferstraße und die einstige Synagoge im Siebenbürgen. Besagtes jüdisches Gotteshaus, in dem sich mittlerweile auch Gedenktafeln befinden, die an Emma Lipper und die Familie Königheim erinnern, wurde 1808 errichtet und ist nur deshalb 1938 nicht zerstört worden, weil es bereits zu Beginn der 1920er-Jahre nur noch Wohnhaus war.

1983 entdeckte man dann die in Vergessenheit geratene Synagoge, die  heute als Stadtarchiv dient - wobei der Gebetsraum mit Thoraschrank und Frauenempore noch erhalten ist.

Der Friedhof auf dem Hamburger Berg, auf dem sich unter anderem die Gräber von Markus und Rieke Königheim (Eltern von Gustav) befinden, hatte seinen 1895 geschlossenen Vorgänger an der Ecke Heutorstraße/Rosenstraße. Ehemalige jüdische Begräbnisplätze gibt es auch noch in Cappel und Reelkirchen.

Im Stadtarchiv befinden sich heute zwei Gedenktafeln, die an Emma Lipper und die Familie Königheim erinnern. Foto: Rouven Theiß
Im Stadtarchiv befinden sich heute zwei Gedenktafeln, die an Emma Lipper und die Familie Königheim erinnern. Foto: Rouven Theiß
Aus früheren Zeiten ist in der ehemaligen Synagoge noch der Thoraschrank erhalten. Foto: Rouven Theiß

Text: Rouven Theiß