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Kuhstraße kommt von Kühen – Vattipark vielleicht von Vätern

Hat die Blomberger Kuhstraße etwas mit Kühen zu tun? Wächst in der Petersilienstraße besonders viel Petersilie und sitzen im Vattipark nur Väter? Die Antworten auf diese Fragen, die sich neben auswärtigen Gästen auch sicherlich der eine oder andere Blomberger stellen wird, sind manchmal kurios. Feststeht aber auch: Teilweise sind die Bezeichnungen im Volksmund entstanden und schon viele Jahrhunderte alt.

Bestes Beispiel dafür ist die Kuhstraße. »Die Kuhstraße ist eine typische Ackerbürger-Straße, die sich so auch in einem Dorf befinden könnte«, hält Stadtarchivar Dieter Zoremba fest und weiß auch ganz genau, woher die Bezeichnung kommt: »Grob gesagt: Die Leute haben ihre Kühe morgens auf die Straße gestellt, wo sie von einem Kuhhirten abgeholt und vor die Stadt auf die Weide gebracht wurden. Daher kommt der Name.« Vor allem im Winter und bei Regenwetter dürfte es früher auf der, in Richtung Niederntor, abschüssigen und ungepflasterten Straße durch Matsch und tiefe Furchen tatsächlich wie auf einem Dorf ausgesehen haben.

Der Name Kuhstraße hat tatsächlich etwas mit Kühen zu tun. Foto: Theiß

Äußerst interessant ist auch die Geschichte zur Petersilienstraße – die mit Petersilie überhaupt nichts zu tun hat. »Der eigentliche Name lautete einst »In den Sielen«. Nach und nach ist dann von den Blombergern die Bezeichnung Peter davor gesetzt worden«, so Zoremba.

Den Kreuzungsbereich zwischen Strolle, zum Haspel und Petersilienstraße nannte man sogar auf dem Dreck. Grund: Der Huxwiedebach, der in der Nähe des Forsthauses entsprang, wurde über hohe, hölzerne Rinnen (deshalb Hohenrenner Weg) in die Nähe der Stadt geführt, sammelte sich im sogenannten Schützenteich vor der Stadtmauer und kam dann über Strolle und Petersilienstraße – nach wie vor oberirdisch – in Richtung Marktplatz. Die Folge: Das mittlere Segment der Petersilienstraße war extrem matschig.

Die Petersilienstraße war einst in ihrer Mitte extrem matschig. Foto: Theiß
Die Petersilienstraße war einst in ihrer Mitte extrem matschig. Foto: Theiß

Ebenfalls im Volksmund entstanden sind die Betitelungen für zwei Blomberger Plätze. An der Auffahrt zum Niederntor existiert der sogenannte Vattipark, der in der NS-Zeit in Horst-Wessel-Platz umbenannt wurde und danach wieder seinen ursprünglichen Namen bekam. Der könnte einen etwas schlüpfrigen Ursprung haben. Da sich hier einst Pärchen in ungestörter Atmosphäre trafen, dabei möglicherweise auch das eine oder andere Kind gezeugt wurde, bürgerte sich Vattipark ein

Die Bezeichnung Vattipark ist im Volksmund entstanden. Foto: Theiß
Die Bezeichnung Vattipark ist im Volksmund entstanden. Foto: Theiß

Und auch der Schweigegarten hat tatsächlich etwas mit dem Schweigen an sich zu tun. »Wahrscheinlich heißt dieser Ort so, weil er ruhig und ein bisschen abgeschieden liegt und die Menschen hier deshalb Ruhe finden«, sagt Dieter Zoremba

Der Schweigegarten ist nachts illuminiert.

Handfester geht es dagegen bei den Wortschöpfungen Hagenstraße und Braugasse zu. Die Bebauung außerhalb der Stadtmauer im Bereich von heutiger Garten- und Hagenstraße fand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts statt. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten viele Blomberger Äcker und Gärten vor der Stadt. »Das Areal um die Hagenstraße hieß früher »Auf dem Hagen«. Darunter versteht man einen mit Hecken umgebenen und gesicherten Bereich«, berichtet Zoremba.

Und in der Braugasse wurde früher tatsächlich Bier gebraut. Das Eckhaus zwischen Neuer Torstraße und Braugasse beherbergte nämlich das städtische Brauhaus. »Interessant ist auch, dass viele Blomberger Bürger früher das Braurecht besaßen«, unterstreicht Dieter Zoremba, der auch die Straßen-Bezeichnung »Im Seligen Winkel« erläutern kann: »Das war früher das Stadtviertel mit Kloster und Kirche.«

Text: Rouven Theiß