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Die Inschriften des Blomberger Rathauses

Auf der, dem Marktplatz zugewandten Seite des Rathauses befinden sich zahlreiche Inschriften. So liest man unter dem Gesims eine in Werkstein gemeißelte lateinische Inschrift, die Auskunft über das Jahr der Erbauung gibt und übersetzt lautet:

»Trachtet nach Recht, helfet dem Unterdrückten, schaffet dem Waisen Recht, führet der Witwe Sache. Jesaja 1. Rede einer mit dem anderen Wahrheit und schaffet Frieden. Sacharja 8. Im Jahre des wiedererstandenen Heils 1587.«

Diese Inschrift ruft die Bürger dazu auf, ehrlich, friedlich und gerecht zu handeln.

 

Zudem befindet sich eine deutsch-lateinische Inschrift am oberen Gebälk des Drempelgeschosses, die sich über die gesamte Länge der Marktfront erstreckt:

»Wil tu gerne wissen, wen es wol stet, im Regimet glücklich zugeht, wes Bürger hahbn dahin gebracht, nach Lieb un Einigkeit getracht. Einn jeder auch thut, was ihm zukommt und ihme gebürt, keiner den andern ahn Leib und Gerüchte berürt. In Domino, si vis vincere, disce pati. Anno 1587.«

Der lateinische Satz bedeutet übersetzt:

»Willst du überwinden, so lerne im Herrn leiden.«

Die Inschrift verdeutlicht, dass die Stadt nur dann funktionieren und aufblühen kann, wenn alle Bürger an einem Strang ziehen und in Eintracht miteinander leben. Weiterhin werden alle Bürger aufgefordert, das zu schätzen, was ihnen zusteht und die leibliche und geistige Freiheit ihrer Mitbürger zu respektieren.

Auch an der östlichen Giebelseite des Rathauses ist eine Mahnung eingraviert – diesmal an die Richter und Ratsherren der Stadt:

»Geschencke vnde Gave vorblenden de Wysen vnde don en einen Thoem in den Mvndt da t se nicht straffen konnen. Menge dy nicht in fromde Sake vnde Sitte nicht beim Vnrechte Ordel. Syrach XX XI.«

Das ist als Appell an die Richter zu verstehen, sich bei der Urteilsfindung nicht durch Geld oder Geschenke bestechen zu lassen.

 

Mit

»Ein ieder Man sy vnderdanich der Uvericheit de Macht aver en hat wente dar is kein Unvericheit dan alleine van gade. Wolder sick wedersettet de wederstrebt Gades Or.«

liest man auf dem Balken, der den Unterbau nach oben hin abschließt, wieder einen Aufruf an die Blomberger, der aus dem Römerbrief stammt. Übersetzt bedeuten diese Worte des Apostel Paulus, dass sich jeder Mensch den übergeordneten Gewalten fügen muss, da es keine Gewalt außer Gott und der von ihm Eingesetzten gibt. Daher gilt: Wer sich der Regierungsgewalt widersetzt, leistet somit auch Widerstand gegen die Anordnung Gottes.

Am 1902 bis 1904 erstellten Anbau sticht die Inschrift

»Graf Ernst regierte unser Land, als dieser Bau hier neu erstand, dem Fuersten Treue und dem Reich, das Recht fuer Hoch und Niedrig gleich, den Armen Schutz, dem Bürger Rat, der Ratschlag weise, fest die Tat, das sei sein Wahlspruch frueh und spat.«

ins Auge.

Text: Rouven Theiß