Freizeit & Vereinskultur

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Schützenwesen hat in Blomberg eine lange Tradition

13 Rötter, eine Sportschützenabteilung, rund 1000 Mitglieder – das sind die groben Fakten zum Alten Blomberger Schützenbataillon (ABS). Das Schützenbataillon selbst, das von einem achtköpfigen Vorstand mit dem Oberst als Vorsitzendem geleitet wird, fungiert als Verein gewissermaßen als Dachorganisation, die Rötter und die Sportschützen sind die einzelnen Abteilungen. Absolutes Highlight ist das Schützenfest, das alle 24 Monate in ungeraden Jahren immer Anfang Juli stattfindet. Mindestens genauso interessant ist aber der Blick in die Geschichte des Blomberger Schützenwesens, schließlich existiert das ABS bereits seit 1576.

Schützen waren im Spätmittelalter immer Bürger

Besonders ist vor dem Hintergrund dieser Tradition die Tatsache, dass das einstige Schützenwesen aus früheren Jahrhunderten mit dem heutigen im Grunde genommen nichts mehr zu tun hat. Wer in der Nelkenstadt (und nicht nur dort) im Spätmittelalter voll am gesellschaftlichen Leben teilhaben wollte, der musste das Bürgerrecht erwerben. Das wiederum war an die Volljährigkeit und den Erwerb von Haus- und Grundbesitz gebunden. Waren diese Kriterien erfüllt, folgte die Aufnahme in die Bürgerschaft – und zwar durch die Ablegung des Bürgereids. Dieser Bürgereid beinhaltete auch die Verpflichtung zum Schützendienst, da die Bürger bei Bedrohung durch Feinde mit einer Rüstung zur Stelle sein mussten. Neben der Sicherung der eigenen Stadt waren die Schützen auch an militärischen Aktionen der lippischen Edelherrn beteiligt.

Um mit den entsprechenden Waffen umgehen zu können, gab es regelmäßige Übungen sowie, als festliche Höhepunkte der Übungen, sogenannte Freyschießen. Dazu kamen, zumindest in Blomberg, als feste Termine das jährliche Prüfen von Waffen und Ausrüstungsgegenständen sowie Ausmärsche samt Ermittlung des besten Schützen außerhalb der Stadt. Neben den militärischen Aufgaben hatten die Schützen auch amtliche Aufgaben zu erledigen. Das waren auf der einen Seite Polizei- und Wachdienste, auf der anderen Seite sind hier repräsentative Zwecke bei offiziellen Anlässen zu nennen.

Diese Fülle an Tätigkeiten zeigt: Die Blomberger Schützen waren kein Verein, die Mitgliedschaft hatte nichts mit Freiwilligkeit zu tun. Weisungsbefugt gegenüber der damaligen Schützencompagnie, wie der offizielle Name lautete, waren die städtischen Autoritäten. Die Schützencompagnie bestand im 17. und 18. Jahrhundert aus acht, teilweise neun Röttern mit jeweils acht bis zwölf Mann. Dem Offizierskorps gehörten der sogenannte Capitain, ein Leutnant, ein Fähnrich und zwei Schäffern an. Die Rötter setzten sich dabei immer aus der Nachbarschaft zusammen, was insofern Sinn machte, dass sich die Mitglieder gut kannten, schnell versammeln konnten und aneinander gewöhnt waren.

Neben den angesprochenen Aufgaben existierten aber auch gesellschaftliche und festliche Aktivitäten. Die Rötter und die Compagnie führten so die Blomberger Bürger zu verschiedenen Festen und zu Geselligkeit zusammen. Gesellschaftlicher Höhepunkt war der einst nahezu jährlich durchgeführte Ausmarsch, über den bereits berichtet wurde, aus der Stadt zum Schießplatz. Dort gab jeder Schütze einen Schuss ab und es wurde der König gekürt. Anschließend folgte der Rückmarsch zum Rathaus samt Empfang durch den Magistrat und Feier im Saal des Rathauses. Am Schießen und der Feier durften allerdings nur die im Schützenverzeichnis eingetragenen Schützen teilnehmen. Übrigens: Die Königswürde war nicht nur Ehre und Anerkennung, sondern hatte auch Vergünstigungen zur Folge. Dazu zählte ein von der Stadt gestifteter neuer Hut, eine Befreiung von der Schützenfestumlage sowie von den Schützendiensten bis zum nächsten Ausmarsch.

Entwicklung zum Verein

Im 19. Jahrhundert folgte dann die zunehmende Entwicklung zu einem Verein. 1844 sagte der damalige Bürgermeister Adolf Böhmer bei seiner Rede anlässlich des Schützenfestes, dass die Schützencompagnie, einst zuständig für die Abwehr äußerer Feinde und den Schutz des Landes, nun der Obrigkeit Beistand bei Erhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung leisten würde. Auch diese Aufgaben nahmen in den folgenden Jahrzehnten mehr und mehr ab und wurden staatlichen Einrichtungen, also der Polizei, übertragen. Und auch die Schützenfeste fanden im 19. Jahrhundert nur in unregelmäßigen Abständen statt. Aber: 1862 gab es eine Besonderheit, da das Schützenfest nicht im Rathaussaal, sondern in einem Zelt auf dem Schützenplatz über die Bühne ging. Da die Stadt ab den 1860er-Jahren größer wurde und sich über den spätmittelalterlichen Stadtkern hinaus ausdehnte, entstanden ab 1890 auch neue Rötter. Erstes dieser Rötter war das Gartensträßlerrott, das heute Nelkenrott heißt. Es folgten Schlemperott, Immertreurott und Stuhlrott.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde zudem beschlossen, die Schützenfeste wieder regelmäßig – und zwar alle drei Jahre – stattfinden zu lassen. Das war bis zum Ersten Weltkrieg der Fall. Im Anschluss daran wurde das erste Schützenfest in der Weimarer Republik 1920 ausgerichtet, allerdings gestaltete sich die Finanzierung offensichtlich zunehmend schwierig. Trotzdem kam es in den 1920er-Jahren zu einem echten Kuriosum. 1925 hatte man nämlich (aber zu spät) festgestellt, dass man 1926 anlässlich des 350-jährigen Bestehens der Blomberger Schützen – der Schützenvogel wurde 1576 verliehen und trägt die entsprechende Jahreszahl – ein rundes Fest hätte feiern können. Das fand dann 1927 in großem Rahmen statt.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurde das Schützenfest im selben Jahr zum Fest der nationalen Erhebung ernannt, die Gleichschaltung des Vereins geschah ohne dass es einen erkennbaren äußeren Zwang gegeben hätte. Und: Auch der Aufforderung des Reichssportführers, dem nationalsozialistisch dominierten Deutschen Schießsportverband beizutreten, kam man in Blomberg bereits 1934 nach, die Annahme der Einheitsstatuten wurde aber bis 1940 hinausgezögert. Insgesamt vier Schützenfeste gab es während der Nazi-Herrschaft.

ABS nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden das Vereinskonto und die Schießhalle durch die britische Militärregierung einem Treuhänder zur Verwaltung übergeben, das Vermögen wurde gesperrt. Grund war der, dass durch die Alliierten in Krieger- und Schützenvereinen militärische Tendenzen vermutet wurden. Da es in Blomberg aber den Wunsch gab, das Schützentum wieder aufleben zu lassen, kam es im Oktober 1949 zur Neugründung des Vereins. Zwei Jahre später erfolgte die Übergabe der Schießhalle an den neuen Verein und auch das Vermögen wurde freigegeben. Das erste Nachkriegsschützenfest zelebrierten die Schützen 1951, Mitte der 1950er-Jahre gehörten dem ABS mehr als 600 Schützen an, was die Bedeutung des Vereins unterstreicht. Nach und nach kamen in den folgenden Jahren mit Lindenrott (1952), Rosenrott (1971), Eichenrott (1972) und Ankerrott (1980) weitere Rötter hinzu.

Heutzutage sind Schützenbataillon und Blomberg zwei Dinge, die nahezu untrennbar miteinander verbunden sind. Das alle zwei Jahre stattfindende Schützenfest ist ein fester Termin im Veranstaltungskalender der Stadt und gehört nach wie vor zu den gesellschaftlichen Attraktionen Blombergs. Außerdem stehen die Schützen für ein reges Vereinsleben und veranstalten rottintern regelmäßig Schnatgänge, Treffen und vieles mehr. Nicht zu vergessen sind die verschiedenen Vergleichsschießen des Schützenbataillons oder der vor einigen Jahren ins Leben gerufene ABS-Umwelttag. Und: Tradition und Moderne finden im ABS im Einklang miteinander statt. Ein nennenswerter Aspekt ist hier, trotz aller technischen Neuerungen, die Tatsache, dass die Königskette zwar 1995 neu gestaltet und um 13 Silberplaketten, die die Symbole der Rötter zeigen, sowie Bindeglieder mit den Namen der Blomberger Schützenkönige seit 1951 ergänzt wurde, der Schützenvogel von 1576 aber nach wie vor das Kernstück dieser Kette ist.

Heimat der Blomberger Schützen: die Schießhalle

Die Schießhalle ist aus dem Blomberger Stadtbild heutzutage nicht mehr wegzudenken und stellt schon seit vielen Jahrzehnten die Heimat des Alten Blomberger Schützenbataillons dar. Der Bau am Alten Dreschplatz, vor den Toren der Stadt, fand im Jahr 1927 statt und dauerte insgesamt drei Jahre. In den 1960er-Jahren fand eine umfassende Erneuerung statt, zu Beginn der 1980er eine weitere und auch das Schützenfest wanderte durch die Umgestaltung des Platzes nahe der B1 von dem Bereich vor der Schießhalle in den dahinter. 2005 folgte dann die bis dato letzte Renovierung – inklusive des Neuaufbaus der Schießstände. Zudem entstanden moderne Versammlungsräume. (Texte: Rouven Theiß)

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